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Aus der Vereinschronik


Das Wort ´Chronik´ wird im Lexikon beschrieben als die Darstellung historischer Begebenheiten größerer Zeiträume in zeitlicher Abfolge. Diesem Ideal kann jedoch nur entsprochen werden, sofern erschöpfende schriftliche Aufzeichnungen vorhanden sind. Der Musikverein Ottenheim verfügt leider nur zum Teil über solche schriftliche Aufzeichnungen, weshalb schon die Festschrift zum 60jährigen Vereinsjubiläum als eine Art Relikt angesehen werden muß, stützt sich doch bereits diese zu einem großen Teil auf das Erinnerungsvermögen älterer Mitglieder.

In einem Punkt besteht jedoch kein Zweifel - Harmonie war nicht immer Trumpf in der ersten Hälfte der Vereinsgeschichte, und so besagt auch die Chronik der zuvor erwähnten Festschrift gleich zu Beginn: ´Eines kann mit Zuverlässigkeit gesagt werden, so wechselvoll das große Zeitgeschehen in den letzten 60 Jahren gewesen ist, so wechselvoll war auch das Vereinsgeschehen. Ein ständiges Auf und Ab kennzeichnet den Ablauf der Dinge.´

Die Gründung des Vereins datiert vom 2. November 1892. Elf Mitglieder waren es, die sich um den 1. Vorsitzenden Georg Ziegler versammelten und die Gemeinschaft ins Leben riefen. Der Aufbau verlief behutsam. Im damaligen Rechnerbuch ist beispielsweise von Weihnachtsfeiern, Tanzkränzchen, Konzerten und Vereinsausflügen zu lesen. Den ersten großen Dämpfer erhielt die Entwicklung mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges. Dem jungen Musikverein erging es wie anderen Vereinen auch, die Aktivitäten kamen zum Erliegen. Dieser Zustand hielt auch nach Ende des Krieges weitestgehend an. Der Wille war vorhanden, doch fehlte es letztendlich am festen Zusammenhalt.
Von diesem unbefriedigenden Zustand zeugen auch ständige Wechsel an der Vereinsspitze. Dem Landwirt Georg Ziegler folgten als Vorsitzende der Schmiedemeister Fritz Rieth, der Schneidermeister Diebold Schüssele, der Bäckermeister Karl Heimburger sowie der Ratschreiber Oberle und Freiherr von Manger. Erst Ende 1923, mit dem gleichzeitigen Ende der Inflation, konnte auch die Vereinskrise überwunden werden.

Einen sichtbaren Aufschwung konnte der Verein unter der Führung des Majors a. D. Adolf Herrmann verzeichnen. Ausdruck fand dieser Wandel insbesondere in dem im Mai 1925 erstmals veranstalteten Musikfest, welches auch gleich zu einem großen Erfolg wurde. Das Fest war mit einem historischen Fest- und Trachtenumzug verbunden, wobei das Risiko, das die verantwortlichen Männer insbesondere in finanzieller Hinsicht zu tragen hatten, für damalige Zeiten beträchtlich war. So gibt das Rechnerbuch Aufschluß über die Gesamtausgaben in Höhe von 6200 Reichsmark, wobei für den Festzug allein 3000 Reichsmark aufgebracht werden mußten.

Leider sollte die für den Verein so erfolgreiche Phase nicht lange anhalten. Die Uneinigkeit unter den Mitgliedern versetzte der Vereinsentwicklung abermals einen schweren Dämpfer. Die Folge waren sinkende Mitgliederzahlen und dadurch bedingte finanzielle Schwierigkeiten. Die Talsohle war erreicht, als sich die Kapelle im Jahre 1934 gar in einzelne Gruppen aufsplitt. Während des 2. Weltkrieges ruhte das Vereinsleben.

Dem Inspektor a. D. Wäldin sowie dem Schreinermeister Karl Friedrich Sichert folgte nach Beendigung des Krieges der damalige Bürgermeister Alfred Fertig als 1. Vorsitzender. Seine Hoffnung, dem Musikverein mit der Eingliederung in den Handharmonikaverein ´Riedklänge´ im Jahre 1946 einen neuen Anfang zu erleichtern, schlug fehl. Die Zielsetzungen beider Gruppen waren zu unterschiedlich, und so kam es, wohl gemerkt in freundschaftlichem Einvernehmen, zur Trennung im Jahre 1951. Der Müllermeister Hermann Schorr hielt fortan die Zügel des Musikvereins in der Hand, und so wurden unter seiner Regie die Feierlichkeiten zum 60jährigen Vereinsjubiläum geplant, die im Jahre 1954, obwohl nach der Gründungszeit 2 fahre zu spät, stattfanden. Hermann Schorr selbst erlebte das Fest nicht mehr. Er verstarb kurz zuvor.

Auch sein Nachfolger Heinrich Wahle war nicht lange im Amt. Ihn verlor man 1956 durch einen tödlichen Verkehrsunfall. In dieser Zeit wurden auch Kontakte zum Musikverein Gerstheim im benachbarten Elsaß geknöpft. Diese Freundschaft hält auch heute noch an, wofür die jährlich stattfindenden gegenseitigem Besuche ein sichtbares Zeichen sind. Eine zweijährige Amtszeit von Otto Reitter schloß sich an, der in der Generalversammlung vom 18. 2. 56 zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde.

Auf den im Jahre 1958 zum Vorsitzenden gewählten Günter Hucke folgte bereits ein fahr später der heutige Ehrenvorsitzende Konrad Ringwald, der ab sofort die Geschicke des Vereins in die Hand nahm. In seine Amtsperiode fällt ein für den Musikverein Ottenheim immens wichtiges Ereignis, das diesem eine Basis verschaffte, auf die sich aufbauen ließ - der Bau des Musikerheims. Das 1962 fertiggestellte Probelokal wurde in diesen Tagen renoviert und erweitert. Einen weiteren sichtbaren Aufschwung erlebte der Verein in seinen aktiven Reihen, die durch verstärkte Nachwuchsarbeit erweitert werden konnten.

An Stelle des im Jahre 1963 aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Konrad Ringwald übernahm Robert Walter den Posten des 1. Vorsitzenden. In der Zeit von 1965 bis 1971,in der Hans Sucher das Vereinsschiff steuerte, wurde die Freundschaft mit der bayerischen Kapelle aus Marktoberdorf begründet. Noch heute wird der Kontakt durch einige Musiker aufrechterhalten.

Der heutige Ehrenvorsitzende Walter Kurz sah sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit im Jahre 1971 der schwierigen Aufgabe gegenübergestellt, zusammen mit seinen Vorstandskollegen einen geeigneten Dirigenten zu finden.

Der bis dahin amtierende Dirigent Leonhard Rieder hatte nach 18 fahren seine Tätigkeit beendet. Mit Gerold Eichhorn fand man 1972 einen Dirigenten, der das Niveau der Kapelle stetig und unaufhaltsam nach oben schraubte. Und er erreichte dies nicht zuletzt durch eine gezielte Jugendarbeit, die heute noch so intensiv wie damals betrieben wird und mit der er der Kapelle immer wieder junge begeisterungsfähige Musiker zuführt. Walter Kurz übergab am 12. 2. 77 das Amt des 1. Vorsitzenden an Anton Ringwald, der mittlerweile auf eine 15jährige Vorstandstätigkeit zurückblicken kann.

Gleichzeitig mit dem Beginn der Ära Ringwald konnte der Neubau der Ottenheimer Sporthalle, heute Rheinauenhalle genannt, fertiggestellt werden. Von diesem Zeitpunkt an war es möglich, Konzerte in ganz anderen Dimensionen abzuhalten. War die Skepsis in den Musikerreihen anfangs noch groß, so konnte man schließlich doch mit Erleichterung feststellen, daß die neue Halle auch von der Bevölkerung akzeptiert und mit Begeisterung aufgenommen wurde. Endlich war der Rahmen geschaffen, der die Bekanntheit und Beliebtheit des Musikvereins weiter förderte. Die Kontakte zur Gemeinde Auggen schlossen sich an. Die Folge waren regelmäßige Auftritte beim dortigen Winzerfest.
Das Repertoire der Kapelle, das längst nicht mehr nur in Richtung Volksmusik zielte, wurde fort während erweitert. Dirigent Gerold Eichhorn wagte sich in neue Musikrichtungen vor, die auf das Interesse des Publikums stießen und viele Jugendliche dazu animierten, dem Musikverein Ottenheim beizutreten. Die Erfolge, die die Ottenheimer Nachwuchsmusiker bei Jugendbläserwettbewerben erzielten, lassen sich an unzähligen Urkunden ablesen. Die Leistungsfähigkeit der jungen Musiker beurteilte der Präsident des Ortenauer Blasimusikverbandes in seinem Grußwort zum 90jährigen Vereinsjubiläum u. a. so: ´Die Anzahl und das Können der alljährlich an Jugendbläserwettbewerben unseres Verbandes teilnehmenden Gruppen aus Ottenheim beeindruckt die Fachleute und ist für viele andere Musikvereine beispielhaft.´

Im Jahre 1982 konnte der Verein sein 90jähriges Bestehen feiern. Vom 20.8. - 23.8. war Ottenheim das Mekka der Blasmusik, dessen Höhepunkt der Festzug am Sonntagnachmittag darstellte.
Selbstverständlich kamen beim Musikverein Ottenheim auch gesellige Stunden nicht zu kurz. Zu erwähnen ist beispielsweise eine im Jahre 1984 durchgeführte mehrtägige Fahrt in die Normandie, die den Teilnehmern noch heute in ebenso bleibenden Erinnerung ist wie der Vereinsausflug nach Nauders im Juni 1986.

Unter dem Motto ´20 Jahre gemeinsames Musizieren´ fand in diesem Jahr bereits ein Jubiläum ganz besonderer Art statt. In der Rheinauenhalle veranstaltete man am 9. Mai 1992 einen Festakt zu Ehren von Dirigent Gerold Eichhorn, der seit mittlerweile 20 Jahren den Dirigentenstab in Ottenheim führt.

Ein gleichfalls bedeutendes Ereignis konnte in diesem Jahr zum Abschluß gebracht werden. Gemeint ist der Anbau und die Renovierung des Musikerheimes. Durch finanzielle Mithilfe der Gemeindeverwaltung konnte unter der Regie des Vorsitzenden Anton Ringwald eine Erweiterung der bestehenden Einrichtung vorgenommen werden, die nun den wachsenden Anforderungen gerecht wird.

Der Musikverein Ottenheim mit seinen derzeit 60 aktiven Musikerinnen und Musikern und den noch in Ausbildung stehenden 18 Zöglingen kann heute auf eine Entwicklung zurückblicken, die unter schwierigen Verhältnissen begann und in den ersten Jahrzehnten immer wieder durch Rückschläge gekennzeichnet war. Daß der im richtigen Moment gezeigte Zusammenhalt unter den Mitgliedern jedoch letztendlich immer wieder entscheidend für die Weiterentwicklung des Vereins war und ist, mußte schon dem Verfasser der Vereinschronik im Jahre 1954 bewußt gewesen sein, als er schrieb: ´Die Geschichte unseres Musikvereins ist ein untrüglicher Beweis für die Wahrheit, daß etwas Sinnvolles auf die Dauer nur bestehen kann, wenn Gemeinschaftsgeist, Opfersinn und straffe Führung sich zu zielbewußtem Handeln zusammenfinden.´


Ein Dank zum Schluß der geschichtlichen Rückblende gebührt allen Musikerinnen und Musikern, auch den ehemals aktiven, den heutigen und früheren Vorstandsmitgliedern sowie allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern des Vereins. Der Musikverein Ottenheim wird auch im 2. Jahrhundert seiner Vereinsgeschichte bemüht sein, in kameradschaftlichem Miteinander beliebte und bekannte Blasmusik in bewährter Form zu bieten.

Michael Fertig
1992

 
  




 
          

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